Betrugs-Lexikon: Phishing, Smishing, Bankbetrug, Dropshipping und mehr
Betrug hat sein eigenes Vokabular: Phishing, Smishing, Spoofing, „Pig Butchering“ … Diese Wörter tauchen in Nachrichten, in Mitteilungen Ihrer Bank und im Gespräch mit der Polizei auf, und nicht immer ist klar, was sie bedeuten. Dieses Lexikon erklärt sie einfach, mit konkreten Beispielen und, wo hilfreich, einem Link zum Ratgeber mit der richtigen Reaktion. Es ist keine Rechtsberatung; am Ende finden Sie die Anlaufstellen in Deutschland und anderen Ländern.
Das Wichtigste
- Phishing will, dass Sie Ihre Zugangsdaten oder Bank-Codes selbst herausgeben.
- Die angezeigte Nummer oder der Absendername können gefälscht sein (Spoofing).
- Ein echter Berater bittet Sie nie, einen Vorgang „zum Stornieren“ zu bestätigen.
- Es gibt mehrere Wege zu melden und Hilfe zu bekommen; in Deutschland: Ihre Bank, der Sperr-Notruf 116 116, die Onlinewache der Polizei, die Verbraucherzentrale und die Bundesnetzagentur.
- Ein Fachbegriff, den Sie in einer Nachricht nicht verstehen, ist oft ein Zeichen, dass man Sie beeindrucken will.
Betrug per Nachricht und Telefon
- Phishing
- Eine Nachricht (E-Mail, SMS, soziales Netzwerk), die eine bekannte Organisation (Bank, Finanzamt, Krankenkasse, Paketdienst) nachahmt, damit Sie auf eine gefälschte Seite klicken und Zugangsdaten, Kartennummer oder einen per SMS erhaltenen Code eingeben. Die falsche Seite sieht aus wie die echte, die Adresse ist aber eine andere. Siehe verdächtige E-Mail oder Telefonnummer prüfen.
- Smishing
- Phishing per SMS. Ein Klassiker: eine falsche Paketbenachrichtigung verlangt über einen Link ein paar Euro „Zustellgebühr“. Siehe gefälschte Paket-SMS erkennen.
- Vishing
- Phishing per Telefon („Voice-Phishing“): Ein falscher Berater, falscher Beamter oder falscher Techniker setzt Sie am Telefon unter Druck.
- Quishing
- Phishing per QR-Code: Ein aufgeklebter Code, ein gefälschter Brief oder eine E-Mail führt auf eine falsche Seite. Scannen Sie keinen QR-Code, dessen Herkunft Sie nicht kennen.
- Spoofing
- Das Fälschen dessen, was angezeigt wird: die anrufende Nummer oder der Absendername einer E-Mail oder SMS. Die Nummer Ihrer Bank kann auf dem Display erscheinen, obwohl der Anruf von woanders kommt. Die Anzeige beweist also nichts: Legen Sie auf und rufen Sie selbst über einen bekannten Weg zurück.
- Falscher Bankmitarbeiter
- Ein angeblicher Mitarbeiter ruft an, um Ihr Konto zu „sichern“, und lässt Sie Vorgänge in der App freigeben oder Codes vorlesen. Haben Sie schon etwas freigegeben, rufen Sie sofort Ihre Bank an.
- Ping-Anruf
- Eine Nummer, oft aus dem Ausland oder eine Mehrwertnummer, klingelt nur einmal, damit Sie zurückrufen. Der Rückruf kann sehr teuer werden. Rufen Sie unbekannte Nummern nicht zurück. In Deutschland nimmt die Bundesnetzagentur Beschwerden über solchen Rufnummernmissbrauch entgegen.
- Mehrwertdienstenummer
- Eine Nummer (in Deutschland etwa 0900 oder 0137), deren Anruf mehr kostet als der normale Tarif. Das Gesetz begrenzt die Kosten, doch die Rechnung kann trotzdem überraschen. Ein seriöses Unternehmen sollte Sie nie auffordern, eine solche Nummer anzurufen, um etwas zu „gewinnen“ oder „abzuholen“.
- Telefonwerbung
- Unerbetene Verkaufsanrufe. In Deutschland ist Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung unzulässig; Verstöße können Sie der Bundesnetzagentur melden.
- Enkeltrick, Schockanruf, falscher Polizeibeamter
- Betrug vor allem gegen ältere Menschen: Ein angeblicher Verwandter, Anwalt oder Polizist täuscht einen Notfall vor und fordert Bargeld oder Wertsachen. Legen Sie auf, rufen Sie Angehörige unter bekannter Nummer an und wählen Sie im Zweifel den Polizei-Notruf 110. Die echte Polizei verlangt nie Geld oder Wertsachen.
Betrug beim Kaufen und Verkaufen
- Fake-Shop
- Ein in wenigen Stunden aufgebauter Shop mit echten, anderswo fotografierten Produkten, sehr niedrigen Preisen und erfundenen Bewertungen. Er kassiert und verschwindet. Die Verbraucherzentralen bieten dazu einen „Fakeshop-Finder“. Siehe Ist diese Website Betrug?.
- Dropshipping
- Ein Verkaufsmodell ohne eigenes Lager: Der Händler kauft die Ware nach Ihrer Bestellung bei einem (oft weit entfernten) Lieferanten. Rechtlich zulässig, wird aber von Shops genutzt, die Preise aufblähen und sehr spät oder gar nicht liefern. Siehe Dropshipping-Shop erkennen.
- Gefälschte Bewertungen
- Erfundene oder gekaufte Kundenmeinungen, die eine Note aufblähen. Hinweise: perfekte Noten in Schüben, wiederkehrende Formulierungen, leere Profile. Siehe gefälschte Bewertungen erkennen.
- Kleinanzeigen-Betrug / Zahlung außerhalb der Plattform
- Ein Verkäufer oder „Vermieter“ verlangt Vorkasse per Überweisung, Guthabenkarte oder Gutscheincode außerhalb der Plattform, die der einzige Schutz ist. Häufig bei Gebrauchtwaren und Wohnungsanzeigen. Siehe Gebrauchtkauf online ohne Betrug.
- Fälschung
- Ein Produkt, das eine Marke ohne Erlaubnis nachahmt. Sehr niedriger Preis, Fehler auf der Verpackung und ein Verkäufer ohne Geschichte sind Hinweise.
- Rückbuchung (Chargeback), Rücklastschrift, Käuferschutz
- Wege, eine strittige Zahlung zurückzuholen: bei Kreditkarten per Chargeback, bei SEPA-Lastschrift grundsätzlich innerhalb von 8 Wochen ohne Begründung, bei manchen Zahlungsdiensten über einen Käuferschutz. Bewahren Sie Belege auf und wenden Sie sich schnell an Ihre Bank.
- Widerrufsrecht
- Das Recht, einen Fernabsatzkauf bei einem Unternehmer zu widerrufen, grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen in der EU, mit Ausnahmen. Zwischen Privatpersonen gibt es dieses Recht nicht.
Finanz- und Identitätsbetrug
- Anlagebetrug
- Eine falsche Plattform (Krypto, Forex, „automatisches Trading“, oft als „Cybertrading“ bezeichnet) zeigt erfundene Gewinne und sperrt dann Auszahlungen. Misstrauen Sie garantierten Renditen und Werbung mit Prominenten.
- Pig Butchering
- Ein langer Betrug: Der Täter baut Vertrauen auf, oft über eine Liebesbeziehung, und drängt Sie zu immer höheren Investitionen auf einer falschen Plattform, bevor alles verschwindet.
- Love Scamming
- Eine falsche Online-Beziehung, die in einer Geldforderung endet („Notfall“, Reise, Zollgebühren).
- Schneeballsystem (Ponzi)
- Ein System, in dem die „Rendite“ der ersten Anleger mit dem Geld der nächsten bezahlt wird. Es bricht zusammen, wenn kein neues Geld mehr kommt.
- Identitätsdiebstahl
- Die Nutzung Ihrer persönlichen Daten (Ausweis, Bankdaten) für Handlungen in Ihrem Namen: Kredit aufnehmen, Konto eröffnen, Vertrag abschließen.
- BaFin-Warnliste
- Die deutsche Finanzaufsicht BaFin veröffentlicht Warnungen vor Anbietern ohne Erlaubnis. Dort zu stehen ist ein starkes Warnsignal; nicht dort zu stehen garantiert nichts.
- CEO-Fraud / Fake-President
- Betrug vor allem gegen Unternehmen: Ein falscher Vorgesetzter oder Lieferant verlangt eine dringende Überweisung oder geänderte Bankdaten.
Nützliche Begriffe zum Prüfen und Reagieren
- Impressum, Handelsregisternummer
- Angaben, die ein Online-Shop machen muss: Wer betreibt ihn, Anschrift, Registernummer, Kontakt. Fehlt das Impressum oder passt es nicht zusammen, ist das ein Warnsignal. Die Registernummer lässt sich im Handelsregister prüfen.
- Domain, RDAP, WHOIS
- Die Domain ist die Adresse einer Website (beispiel.de). RDAP- und WHOIS-Verzeichnisse zeigen unter anderem das Erstellungsdatum: Eine wenige Tage alte Domain, die sich als alteingesessene Marke ausgibt, ist verdächtig.
- Typosquatting
- Eine Domain, die absichtlich einer echten ähnelt (ein vertauschter Buchstabe, ein zusätzlicher Bindestrich), um Tippfehler oder hastige Klicks auszunutzen.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung, 3-D Secure
- Ein zusätzlicher Schritt, um Anmeldung oder Zahlung zu bestätigen (Code, Freigabe in der App). Er schützt Sie, darf aber nie auf Bitten eines Fremden freigegeben werden: Eine Freigabe „zum Stornieren“ bestätigt den Vorgang in Wirklichkeit.
- Social Engineering
- Techniken, die Menschen statt Maschinen manipulieren: Dringlichkeit, Autorität, Angst, Schmeichelei.
Wo Sie melden und Hilfe bekommen
Zuerst, wenn Sie Geld verloren oder Zugangsdaten preisgegeben haben: Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank, um zu sperren, zu widersprechen oder zu versuchen, den Vorgang zurückzuholen. Danach:
- Deutschland
- Der Sperr-Notruf 116 116 sperrt Karten und Online-Banking-Zugänge. Anzeige erstatten Sie bei der Polizei, in vielen Bundesländern über die Onlinewache. Die Verbraucherzentrale berät zu Fake-Shops und Phishing und führt Warnlisten. Die Bundesnetzagentur nimmt Beschwerden zu Rufnummernmissbrauch, Ping-Anrufen und unerlaubter Telefonwerbung entgegen. Das BSI informiert über IT-Sicherheit. Bei Käufen in einem anderen EU-Land hilft das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland.
- Österreich und Schweiz
- Wenden Sie sich an Ihre Bank, die Polizei Ihres Landes und die Konsumentenschutzorganisation (in Österreich etwa der Verein für Konsumenteninformation und die Arbeiterkammer, in der Schweiz die Stiftung für Konsumentenschutz). Die Wege unterscheiden sich je nach Land: Im Zweifel beginnen Sie bei Ihrer Bank.
Mehr dazu in Nach einem Online-Betrug: was tun?.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Phishing, Smishing und Vishing?
Es ist dasselbe Prinzip über verschiedene Kanäle: Phishing meist per E-Mail, Smishing per SMS und Vishing per Telefon. Immer soll man Informationen preisgeben oder selbst einen Vorgang freigeben.
Kann ich einer Nummer trauen, die als die meiner Bank angezeigt wird?
Nein. Eine angezeigte Nummer kann gefälscht sein. Legen Sie auf und rufen Sie Ihre Bank über die App oder die auf Ihrer Karte aufgedruckte Nummer zurück.
Was tun, wenn ich auf einen verdächtigen Link geklickt habe?
Geben Sie nichts ein. Haben Sie schon Zugangsdaten oder Codes genannt, ändern Sie schnell Ihre Passwörter und informieren Sie Ihre Bank. Unser Ratgeber „Nach Online-Betrug: was tun?“ erklärt die Schritte.
Woran erkenne ich, ob ein Online-Shop Betrug ist?
Kein einzelnes Zeichen genügt. Achten Sie auf Domain-Alter, Impressum, externe Bewertungen und Zahlungsarten und gleichen Sie mit einem Prüfdienst ab.
Ersetzt dieses Lexikon eine Rechtsberatung?
Nein. Es gibt allgemeine Orientierung. Für einen konkreten Fall wenden Sie sich an eine Verbraucherzentrale, Ihre Bank oder eine Rechtsanwältin bzw. einen Rechtsanwalt.